1946–1971

Es war der 1. März 1946. Die Stadt Berlin und mit ihr die Wirtschaft, die Infrastruktur liegen in Schutt und Asche. Es ist die Zeit der Lebensmittelkarten, des Schwarzmarktes, der Teilung in vier Sektoren. Aber die Stadt der Ruinen belebt sich wieder; Männer kehren aus der Gefangenschaft zurück, Frauen räumen Straßen und Grundstücke mit bloßen Händen von den schwarzen Trümmern des Krieges.

Im Norden der Stadt, in der Müllerstraße 137, Ecke Seestraße 44 erfolgt an diesem Tag die Gründung der Firma Klemmt und Zielinski, Ingenieure. Damit ist der spätere Name des Unternehmens, KUZ., festgelegt. Im zweiten Stock des Vorderhauses besitzt der Betrieb zwei Büroräume und im Seitenflügel einen Lagerkeller. Eine kaufmännische Angestellte, zwei Monteure, zwei Helfer, das ist die Belegschaft.


Oberingenieur, Dozent
Erich Zielinski

Der erste Firmensitz in
Müllerstraße


Nach Vorstellung der Gründer soll die Firma am Wiederaufbau Berlins durch Instandsetzung von Heizungs- und Sanitäranlagen mitwirken. Am Anfang in gewerblichen Betrieben und Wohnhäusern, bald schon in Krankenhäusern, Badeanstalten. Die Pläne erstellt das firmeneigene Ingenieurbüro.

Der erste Auftrag kommt von den Siemenswerken:

»Instandsetzung der Casinoküche im Stammhaus Berlin 61, Schöneberger Straße 2–4«. Siemens-Halske, Siemens-Schuckert, Borsig, Osram, DeTeWe, Schering sind die wichtigsten Auftraggeber der ersten Jahre, es geht um den Wiederaufbau der Berliner Industrie.
1946 erhält Erich Zielinski vom Magistrat der Stadt einen Lehrauftrag an der Vereinigten Bauschule von Groß-Berlin für die Disziplin Heizungs- und Gesundheitstechnik.
Unternehmensführung und Lehrtätigkeit verbinden sich bei dem Firmengründer zu einer Einheit.

Vorfertigung von Wasserrohrelementen in der Betriebs-
werkstatt Walderseeerstraße, 1968


Zwei Jahre später ist die Belegschaft bereits auf 55 Personen angewachsen. Zum Büro gehören vier Ingenieure, drei Montagemeister und zwölf weitere Angestellte. Die Büroräume sind erweitert worden. In der Müllerstraße 128 steht ein Lagerplatz mit 800 qm Grundfläche zur Verfügung. Den Materialtransport erledigt ein VW-Kübelwagen mit Pritschenaufbau.
Fünf Jahre nach der Firmengründung hat sich das Unternehmen fest am Markt etabliert.
Zu diesem Zeitpunkt scheidet Herr Klemmt aus der Firma aus und zieht sich aus der Branche zurück.
Ab 5. November 1951 lautet die Firmenbezeichnung KUZ Gesundheitstechnik Erich Zielinski, Oberingenieur und Dozent. Erich Zielinski wird vom Senator für Arbeit zum Vorsitzenden der Prüfungskommission für Technische Zeichner und Rohrinstallateure Heizung-Gas-Wasser ernannt.
Als die Firma 1956 ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, ist der Firmensitz längst in die Müllerstraße 128 verlegt. Jetzt, nach zehn Jahren, gehen vom Hause KUZ Impulse aus, die über die deutschen Grenzen hinaus wirken. Der Name KUZ ist zu einem Begriff für technische Qualität in Planung und Ausführung geworden. Immer mehr entwickelt sich die Ausstattung von Kliniken, Krankenhäusern und Badeanstalten zum spezialisierten Arbeitsgebiet.

Das Paracelsius-Bad
in Reinickendorf

Aber auch im Wohnungsbau ist das Unternehmen weiter aktiv. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Rationalisierung und werkstattmäßigen Vorfertigung von Montageeinheiten.
In diesen Jahren machten der Firmeninhaber Erich Zielinski und seine leitenden Mitarbieter außerdem auch als Autoren in Fachzeitschriften und -büchern von sich reden.
Die Entwicklung dieses ersten von technischem Fortschritt und rascher Dynamik geprägten Jahrzehnts setzt sich auch in der Folgezeit fort.
KUZ Gesundheitstechnik ist im Berliner Baugeschehen zu einem anerkannten und gefragtenPartner geworden; zahlreiche Projekte, die auch aus heutiger Sicht noch als maßgebliche Stützen der infrastrukturellen Nachkriegsentwicklung in Wirtschaft und Wissenschaft angesehen werden können, entstanden unter maßgeblicher Mitwirkung des Unternehmens. Unter den wissenschaftlichen Einrichtungen sind hier vor allem zu nennen:


Unter den wissenschaftlichen Einrichtungen sind hier vor allem zu nennen:

das Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft
das Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung in Wannsee
das physiologische und das veterinärmedizinische Institut der Freien Universität


Unter den Krankenhäusern und Kliniken:

das Rudolf-Virchow-Krankenhaus mit seinem
500-Betten-Hochhaus
der Behandlungstrakt im Krankenhaus am Urban
das Jüdische Krankenhaus mit den kompletten Heizungs- und Sanitäranlagen
die Schloßpark-Klinik in Charlottenburg

Unter den Stadtbädern:

das Paracelsus-Bad in Reinickendorf
das Stadtbad Wedding
Die Bautätigkeit der Firma KUZ ging aber in diesen Jahren auch weit über Berlin hinaus; In Bonn erstellt sie die Heizungsanlage eines Institutes der Universität.
Für das 800-Betten-Kreiskrankenhaus der Stadt Stade wird die Sanitäranlage komplett geplant und installiert.
Im süddeutschen Raum werden zahlreiche Schwimmbäder nach neuesten technischen Entwicklungen konzipiert und
realisiert.


Einen Höhepunkt der Firmenaktivitäten des ersten viertel Jahrhunderts stellt die Ausführung der sanitärtechnischen Anlagen sowie der Kühl- und Kälteanlagen für das Reichstagsgebäude dar.
Der Auftrag für die Ausführung der Sanitärarbeiten für 2500 Wohneinheiten des neu entstehenden Märkischen Viertels leitet dann bereits in eine neue Periode der Unternehmensgeschichte über: Märkte erscheinen zunehmend gesättigt, die Grenzen des Wachstums sind erreicht.
1972–1990
Der erste große (West-)Berliner Nachkriegs-Bauboom fand mit dem Bau der damals nicht ganz unumstrittenen »Schlafstädte«, wie Märkisches Viertel und Gropiusstadt seinen Höhepunkt – und sein jähes Ende. Plötzlich war die Luft raus. Die Politik änderte sich, die Wirtschaft änderte sich. Erdöl- und Energie-Krise. Autofreie Sonntage, tiefes Durchatmen.



Geschäftshaus der Firma KUZ-Gesundheitstechnik

Zeit der Konsolidierung. Das betraf nicht nur die Firma KUZ Gesundheitstechnik, das betraf die gesamte Berliner Wirtschaft. Jetzt sollte sich zeigen, wer in der Nachkriegszeit gut gewirtschaftet, wer gesunde Betriebsstrukturen geschaffen und wer in fetten auch an die sich unvermeidlich daran anschließ-enden mageren Jahre gedacht hatte.
Es waren Jahre, in denen viele nach dem Krieg gegründete oder reaktivierte Privatfirmen sich zur Aufgabe gezwungen sahen oder aber ihre Selbständigkeit verloren und Bestandteil großer Konzerne und Firmengruppen wurde.
KUZ Gesundheitstechnik gehörte nicht dazu – als eins der wenigen Unternehmen ihrer Größenordnung in der Branche.
Trotz sinkender Bautätigkeit konnten weiterhin große Aufträge übernommen und anspruchsvolle Projekte abgewickelt werden.

Den veränderten wirtschaftlichen Marktbedingungen Anfang der siebziger Jahre trug das Unternehmen unter anderem durch die Entscheidung für die Hereinnahme und Verstärkung ingenieurmäßiger Planungstätigkeit Rechnung.

Robert-Koch-Institut
in Berlin, Moabit



So wurden 1972–1975 in enger Zusammenarbeit mit der Bundesbaudirektion die gesamten Planungen für die Gas-, Wasser- und Abwasseranlagen des Robert-Koch-Institutes sowie für die Sanitäranlage des Neubaues der Staatsbibliothek Berlin durchgeführt und anschließend der Ausführungsauftrag erlangt.
Für den Neubau des Humboldt-Krankenhauses wurde durch KUZ die Ver- und Entsorgungstechnik, die kompletten Sanitär-, Zentralheizungs- und Klimaanlagen, die medizinische Gasversorgung sowie die Aufzugs- und Fördertechnik bis zur Ausführungsreife projektiert.



Berliner Staatsbibliothek,
Potsdamer Platz


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Humboldt Krankenhaus

Für das Krankenhaus Waldfriede und das Jüdische Krankenhaus in Berlin konnten in einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Architekturbüro Dybe und Partner ebenfalls wesentliche Teile der Haustechnik geplant und ausgeführt werden.
Diese Verzahnung von Planung und Ausführung garantierte die betriebliche Stabilität und Kontinuität auch in Zeiten der Rezession.




Lazarus Kranken-
und Diakonissenhaus,
1994



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Lazarus Krankenheim,
1990/91



Das Unternehmen KUZ Gesundheitstechnik – fest etabliert und anerkannt als eine der führenden mittelständischen Firmen der Berliner Haustechnik-Branche – bewahrte weiterhin die Kompetenz für die Realisierung von Projekten jeglicher Größenordnung.

Ein biografischer Einschnitt in die Firmengeschichte wurde im
August 1975 vollzogen, als Arno Zielinski nach Beendigung seines Studiums als Mitarbeiter in die väterliche Firma eintrat.
Das bisherige Einzelunternehmen KUZ Gesundheitstechnik Erich Zielinski wurde in eine GmbH und Co KG umgewandelt. Am
31.12.1977 zog Erich Zielinski sich aus dem Unternehmen zurück und Arno Zielinski wurde alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer. Der Vater blieb der Firma dennoch stets verbunden, aber er hatte nun endlich Zeit, sich intensiv seinem Hobby, der Kulturgeschichte der nordamerikanischen Indianer zu widmen.

Dipl.-Kaufmann
Arno Zielinski



Kunstgewerbemuseum, Potsdamer Platz